Ka-ro electronics GmbH
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Module aus Oberforstbach in London City

Das Aachener Unternehmen Ka-Ro electronics fertigt Mini Rechner, die weltweit im Einsatz sind. "Wir tummeln uns dabei in Nischen"

Aachen. Als der norwegische Kunde sein Büro betrat und aus der gelben Plastiktüte einen runden Gegenstand auspackte, glaubte Matthias Kaussen zunächst, es handle sich um eine Bombe. Doch der Norweger kam in friedlicher Absicht und hatte lediglich eine kleine Wasser-Boje mitgebracht, für die er eine technische Lösung suchte. Die Boje sollte im Rahmen der Öl-und Gas-Exploration weit vor der Küste auf dem Meeresgrund Wellenströmungen aufzeichnen. Das Problem: Die Daten sollten aufgezeichnet und alle sechs Monate abgerufen werden. Nötig war ein leistungsstarker Rechner, der gleichzeitig extrem verbrauchsarm arbeitet ­ eine Spezialität des Aachener Unternehmens Ka-Ro electronics GmbH. Der Norweger erhielt seinen Mini-Rechner, der mit zwei handelsüblichen Knopfzellen für ein halbes Jahr auskommt.

“Wir haben den Ruf, extrem stromsparende Module zu fertigen", erläutert Firmen-Mitgründer Matthias Kaussen in einem Gespräch fast bescheiden. Das hat sich inzwischen weltweit herumgesprochen, wenn es darum geht Rechner für ausgefallene Anwendung einzusetzen. Das können Geräte für die Messung des Aushärtungsgrades von Beton auf Baustellen sein oder die Steuerung von Backautomaten, die Tag und Nacht in Tankstellen oder Kiosken für frische Brötchen sorgen. Auch die beweglichen Plakatständer in der Londoner City arbeiten mit Modulen aus Oberforstbach.

Die Anfänge des 1988 in Aachen gegründeten Unternehmens, das heute 44 Mitarbeiter beschäftigt, lagen zwar nicht in einer Hinterhof-Garage wie bei Bill Gates. Die Wohnung in der Aachener Wallstraße, in der der im letzten Jahr verstorbene Rolf Rosenstein und Matthias Kaussen starteten, reichte mit ihren 50 Quadratmetern anfangs für die Dienstleistungsfertigung der elektronischen Baugruppen vollkommen aus. Beide Gründer waren damals noch Studenten der Elektrotechnik an der Fachhochschule Aachen. Entsprechend schwer war es für sie, ohne Sicherheiten bei den Banken Kredite für den Ausbau der jungen Firma lockerzumachen.

Zielgruppe für Ka-Ro damals und heute sind Unternehmen, die für ihre Produkte die geeignete elektronische Steuerung suchen. “Wir tummeln uns dabei in Nischen", betont Kaussen. Zwar könne man ohne weiteres etwa für ein Handy von Nokia die elektronische Steuerung produzieren, “aber eine Stückzahl von einer Million oder mehr ist nicht unsere Sache". Aus Kaussen spricht dabei der Tüftler, der seinen Ehrgeiz darauf richtet, Lösungen für Einzelfälle zu finden.

Der geschäftliche Erfolg der Firma führte über mehrere Etappen 1997 zu einer 2500 Quadratmeter großen Produktionsstätte am Aachener High-tech-Standort Pascalstraße in Oberforstbach. Wegen des Preisverfalls in der Elektronik-Branche nahm man 2001 neben der Dienstleistungsfertigung auch die Herstellung eigener Produkte auf, um die Wertschöpfung zu steigern.

Im Mittelpunkt stand die weitere Miniaturisierung der Rechner. Inzwischen hat Ka-Ro als unabhängiger Anbieter eine führende Position bei der Elektronik-Fertigung und der Soft- und Hardware-Anwendung. Das Unternehmen ist Vorreiter beim Einsatz von Kleinrechnern (in der Fachsprache: embedded low power computer on module systems) für mobile Lösungen. Wegen des hohen Automatisierungsgrades der Fertigung kann es sich Ka-Ro leisten, weiterhin wettbewerbsfähig in Aachen zu produzieren. 98 Prozent der Platinen werden maschinell bestückt.

Über die seit 2003 aufgenommenen direkten Händlerkontakte ist es gelungen, den Exportanteil auf 35 Prozent zu steigern.

Das Wachstum des Unternehmens hat in der jüngsten Zeit deutlich zugelegt: Die Anzahl der gefertigten Module stieg von 10 000 (2005) auf über 30 000 im letzten Jahr. Die rund 500 Kunden kommen aus dem Bereich der Autozulieferer, der Medizintechnik und dem Sicherheitsbereich.

In den nächsten fünf Jahren, so Prokurist Ekkehard T. Meurers, soll das Geschäft und die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt werden.

Quelle: Ulrich Kölsch / Aachener Zeitung

Dieser Artikel ist erschienen in der Aachener Zeitung vom 29.04.2008

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